Allein, mir fehlt der Glaube…

Die ganze Welt – und ihre Medien – blicken wie gebannt auf Syrien und den Plan zur Vernichtungder Chemiewaffen als ersten Schritt des syrischen Beitritts zur OPCW (Organisation zum Verbot von Chemiewaffen). Bedingung ist der „sofortige und eingeschränkte Zugang“ der Inspektoren zu allen Anlagen. Nicht nur die Waffen selbst sollen vernichtet werden – auch die Produktionsanlagen. Zugleich tönt es alles andere als versöhnlich aus Washington, Paris und London: hält Damaskus
die Verpflichtungen nicht ein, gibt es ernste Konsequenzen. Interessant, achtet man neben dem WAS auch auf das WIE: Laurent Fabius meint, Bashar al_Assad müsse „beigebracht werden, dass es keine andere Perspektive als den Verhandlungstisch gibt“. Gehen wir von der Prämisse aus, dass der Ton die Musik macht, offenbart sich ein inhärenter Widerspruch und die Frage „Wie soll dieses ‚Beibringen‘ konkret aussehen?“ drängt sich auf. Assad in Richtung Verhandlungstisch „drohen“ zu wollen, hebelt den Selbstzweck der Diplomatie aus und wirkt richtiggehend oberlehrerhaft – was in Anbetracht der Lage nicht unbedingt zur Entspannung beitragen dürfte. Währenddessen greift das syrische Regime weiterhin dicht bevölkerte Gebiete an. Während die weltweiten Öffentlichkeiten sich an den C-Waffen festbeißen, wird bei diesen Angriffen Streumunition eingesetzt – die vermutlich nicht unter die Vereinbarung zur Waffenvernichtung fallen wird. So begrüßenswert die Vernichtung der C-Waffen auch ist, so fehlt mir der Glaube, dass es „das“ schon gewesen sein soll. Oft liegt ja das Problem im Detail – und die technischen Details der Vernichtung der C-Waffen müssen erst noch geklärt werden.

Kathrin Quatember

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