Friedensforschung in Österreich. Bilanz und Perspektiven.

51fiSOSmWBL._SX350_BO1,204,203,200_Das Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Universität Klagenfurt hat aus Anlass seines 10jähirgen Bestehens eine Band herausgebracht, der es sich zur Aufgabe stellt, eine Bilanz der Friedensforschung in Österreich zu ziehen und gleichzeitig einen Ausblick zu wagen. Das ist eine gar nicht so geringe Herausforderung. Nicht, dass es nicht hervorragende Ergebnisse und nachhaltige Projekte aus der jahrelangen Tradition österreichischer Friedensforschung gegeben hätte und gibt. Vielmehr ist es der Zeitpunkt zu bilanzieren, der er nicht möglich macht, eine Jubelschrift zu verfassen. Friedensforschung ist in Österreich sehr schwach institutionalisiert. Werner Wintersteiner, einer der Herausgeber des Bandes vergleicht sie  mit dem Bild einer Distel, (die übrigens auch das Cover des Buches ziert), Einer „schönen, genügsamen und sehr widerstandsfähigen Blume“. Sie steht für einen Appell gegen Gleichgültigkeit und Resignation, gegen eine Haltung, die mit dem Verweis auf die „schlimme Lage“ in Passivität verfällt und sie ist das Resultat der friedenswissenschaftlichen Erkenntnis, dass sozialer Wandel durch die Entschlossenheit entsteht, nicht aufzugeben.

Dieser Zugang beschreibt auch das Ergebnis einer schriftlichen Umfrage von rund 40 ExpertInnen über den Stand der Friedensforschung in Österreich, die einen riesigen Bedarf bei gleichzeitiger struktureller Schmalbrüstigkeit diagnostiziert. Aus der Fülle an sehr informativen Beiträgen sei auf nur einige wenige verwiesen:

Wilfried Graf und Werner Wintersteiner analysieren in einem ersten Eckpfeiler die ambivalente Beziehung der Friedensforschung zur politischen Macht und stellen fünf Thesen zur Weiterentwicklung der Friedensforschung zur Diskussion. Bettina Gruber geht auf den Begriff des „Friedenslernens“ ein und diskutiert die Entwicklung der Friedenspädagogik im Kontext von ökonomischen, politischen und kulturellen Veränderungen. Dabei betont sie die Notwendigkeit einer engeren Verbindung von Friedenspädagogik und Friedensforschung insgesamt.

In einem zweiten Kapitel  werden  internationale Perspektiven renommierter internationaler ExpertInnen aus Großbritannien, Deutschland, der Schweiz und Italien eingebracht, die einen Vergleich ermöglichen und gleichzeitig internationale Entwicklungen, die der österreichischen nicht unähnlich sind, verstehbar zu machen.

Besonders interessant erweisen sich die inhaltlichen Beiträge im letzten Kapitel des Bandes. Der Beitrag von Wilfried Graf zur Arbeit des  Herbert Kelman Instituts für Interaktive Konflikttransformation in Sri Lanka, Jan Brouseks Analyse eines dialogischen Projektes zur Erinnerungspolitik in Kärnten, Heidi Grobbauers Ansatz von Global Citizenship Education als einen Weg, wie sich Bildung aktuellen globalen Herausforderungen stellen kann seien dabei genauso herausgehoben wie Claudia Brunners abschließender Rede zu „Kassandras Dilemma“ als Sinnbild für die Friedensforschung.

Hans Peter Graß

Werner Wintersteiner/ Lisa Wolf (Hgr.) (2015): Friedensforschung in Österreich. Bilanz und Perspektiven. Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec. Zur Bestellung

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