Jihadismus. Ideologie, Prävention und Deradikalisierung

Schmidinger Jihadismus

Fotoquelle: www.mandelbaum.at

Jihadismus, Salafismus, Islamismus, Islamischer Staat: Recherchiert man, so stößt man besonders im medialen Diskurs auf diese Begriffe, die nicht selten synonym verwendet und unhinterfragt gebraucht werden. Nicht zuletzt diese Unbedarftheit,  der Mangel an begrifflicher Schärfe sowie das Unwissen über diese Phänomene tragen dazu bei, dass man „die“ MuslimInnen zu einem Feindbild entwickelt und in sich regelmäßig entladenden Social-Media-Shitstorms zum personifizierten Bösen erklärt.
Thomas Schmidingers Buch „Jihadismus. Ideologie, Prävention und Deradikalisierung“  erhebt – wie der Autor im Vorwort auf Seite 9 selbst schreibt – „den Anspruch, lesbar zu sein. Es soll eine knappe und verständliche Einführung in das Problem bieten, die für LehrerInnen, SozialarbeiterInnen, BeamtInnen und PsychotherapeutInnen“[1] nützlich sein kann. Der schmale, gut strukturierte und aufbereitete Band bietet eine Einführung in die verschiedenen Begriffe und die notwendige Differenzierung. Zudem betrachtet Schmidinger Argumentationsstrategien vermeintlicher IslamkritikerInnen, was besonders für Themen-Neulinge ein gutes Backup für mögliche Stammtischdiskussionen oder Debatten im Netz sein kann.
Wer in der pädagogischen Vermittlungsarbeit tätig ist, der/die weiß, dass einer der besten Zugänge zu deinem Themenkomplex die persönliche Geschichte ist. Ein weiterer Grund, warum dieses Buch besonders für MultiplikatorInnen empfehlenswert ist: In einem eigenen Kapitel werden anhand von neun anonymisierten Biographien sowie dem Text einer Mutter, die ihren Sohn an diese Ideologie verloren hat, exemplarisch Wege in den Jihadismus nachgezeichnet. Schmidinger schreibt einleitend „Die Wege, die Jugendliche und (junge) Erwachsene aus Europa in den Jihadismus führen, sind so vielfältig wie die Biographien dieser Menschen.“[2]
Im dritten Abschnitt geht Schmidinger auf die Frage ein, was konkret getan werden kann, um einer Radikalisierung entgegenzuarbeiten. Dabei bleibt der Autor keineswegs „nur“ auf einer allgemeinen, gesellschaftlichen Ebene, sondern gibt zudem Tipps, wie im direkten und persönlichen Umfeld reagiert werden kann und welche Ankerpunkte und Kontinuitäten besonders für junge Menschen wichtig sind, um eine Radikalisierung zu verhindern bzw. ihr entgegenzusteuern.

Fazit: Wer mit dem Thema „Jihadismus“ im persönlichen, professionellen oder politischen Kontext konfrontiert ist, sollte sich dieses Buch jedenfalls zulegen. Empfohlen sei es aber zudem allen, die einen fundierten Überblick suchen. Thomas Schmidinger beschränkt sich in seinem Buch auf das Wesentliche, ohne die Tiefe sowie die Komplexität des Themas aus den Augen zu verlieren.
KQ

[1] Thomas Schmidinger: Jihadismus. Ideologie, Prävention und Deradikalisierung. Mandelbaum Verlag, Wien 2015. S. 9

[2] Ebd., S. 84

Thomas Schmidinger: Jihadismus. Ideologie, Prävention und Deradikalisierung. Mandelbaum Verlag, Wien 2015. Bestellung

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