„No Blame Approach“

nba coverHeike Blum, Detlef Beck: Praxishandbuch „No Blame Approach“, Mobbing-Intervention in der Schule. Fairaend Verlag, Köln. ISBN 978-3000277559

Mobbing in der Schule ist eine besondere Form von psychischer und physischer Gewalt, dessen Zusammenhänge komplex und für Lehrpersonen meist nicht sofort offensichtlich sind. Im Klassenverband sind die Rollen unterschiedlich, ergänzen und beeinflussen sich aber gegenseitig. Die einen grenzen sich in einer Mischung aus Faszination und Angst vom Geschehen ab, um nicht selbst hineingezogen zu werden, die anderen puschen aus dem Hintergrund und wieder andere sorgen für Aktionen und Spannung, indem sie eine Klassenkameradin, einen Klassenkameraden als Blitzableiter für alle Fälle verwenden.

Mit No Blame Approach, einem mittlerweile in vielen europäischen Ländern praktizierten und in 3 Stufen unterteilten Interventionsansatz, wird ein konsequent lösungsorientierter Weg beschritten, der ohne Strafen und ohne Schuldzuweisungen auskommt. Das mag Skepsis auslösen, doch es zeigt sich, dass Mobbing in vielen Fällen nicht über die Suche nach den Schuldigen und Sanktionen wirksam abgehandelt werden kann.  Für den Ansatz spricht eine Evaluierung aus dem Jahr 2008, die belegt, dass Mobbing mittels No Blame Approach in den meisten Fällen (87% von 220 untersuchten Fällen) erfolgreich und rasch gestoppt werden konnte.

Problemlösung auf Augenhöhe: SchülerInnen als ExpertInnen und HelferInnen

Im Rahmen des mehrstufigen Ansatzes werden die SchülerInnen rund um das Mobbing-Opfer inklusive der Mobbing-AkteurInnen von der PädagogIn in eine Unterstützergruppe geladen und somit aktiv in den Lösungsprozess zur Beendigung des Mobbing beteiligt. Die Blickrichtung in die Zukunft gerichtet, wird ihr Wissen in die Problemlösung miteinbezogen, ihre  Erkenntnisse, Ressourcen und Kompetenzen gewürdigt, um konkrete Ideen zu entwickeln, die eine bessere Situation für die von Mobbing betroffene Person herbeiführen. Oberstes Ziel ist, diese Person aus der „Schusslinie“ zu holen und den peinigenden Prozess so schnell wie möglich und nachhaltig zu beenden. Ein Wissen über die vergangenen Ereignisse ist dabei nicht notwendig. Diese Vorgehensweise befreit die betroffene Person davor, ausführlich alle Details berichten zu müssen, die ihr widerfahren sind. Gleichzeitig werden die Mobbing-AkteurInnen nicht dämonisiert, kommen unter keinen Rechtfertigungsdruck und müssen daher dem/der von Mobbing-Betroffenen nicht die Schuld dafür zu geben. Das Buch zum No Blame Approach liefert Theorie und Praxis der Methode, Gesprächsleitfäden für die Durchführung der einzelnen Schritte, Interviews von Betroffenen und AkteurInnen sowie Ideen und Anregungen für jene Fälle, die nicht gleich „rund“ laufen.

Rezensiert von Barbara Wick.

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